Beitragsseiten

Einleitung

Am 10. August 2007 veranstaltete Electronic Arts einen Community Fan Day im EA-Hauptquartier in Redwood Shores bei San Francisco. Neben den Webmastern der kanadischen Fansite Simtropolis und zwei Vertretern aus der amerikanischen Blogging-Szene für Strategie- und Simulationsspiele war auch als einziger europäischer Teilnehmer ein Teammitglied von SimCityPlaza eingeladen, einen exklusiven Blick auf die Alpha-Version des im November 2007 erscheinenden Spiels SimCity Societies zu werfen.

Der Startbildschirm von SimCity Societies

Ladebildschirm für eine StadtSchon im Vorfeld hatten die Screenshots und Trailer in der Fan-Szene für Aufregung gesorgt, vor allem das gegenüber den Vorgängerversionen stark vereinfachte Spielprinzip stieß vielen hartgesottenen Fans übel auf. Mochte der Verzicht auf ein Wassernetz bei einigen noch auf Verständnis gestoßen sein, sorgte die Nachricht, dass auch Zonen mit selbstwachsenden Gebäuden abgeschafft wurden, auf großen Unmut. Schon vor Jahren geisterte immer wieder die Meldung, dass SimCity 4 zu schwierig und kompliziert sei, durch die Online-Landschaft.

 

 

 

 

Blick über ein kleines Dorf 

Tilted Mill, die von EA beauftragte Spieleschmiede, welche sichauch schon für Strategiespiele wie Caesar IV oder Die Kinder des Nils verantwortlich zeichnete, hat die Herausforderung angenommen und entwickelt nun schon seit einigen Monaten den Nachfolger von SimCity 4. Doch halt, ist SimCity Societies wirklich der Nachfolger der nach wie vor äußerst beliebten vierten Auflage des Städtebauklassikers schlechthin? In diesem Preview wollen wir der Sache auf den Grund gehen und Euch interessante neue Einblicke bieten.

 

 

 

 


Spielaufbau

Wie der Name des Spiels schon andeutet, setzt SimCity Societies (kurz: SCS) den Schwerpunkt auf das Zusammenleben der Sims, während die bisherigen SimCity-Versionen sich hauptsächlich dem Aufbau einer funktionierenden Stadt widmeten. Vor allem der Freizeit-Aspekt kam bisher immer zu kurz, und alles drehte sich um die Arbeit, Ausbildung und Gesundheit der Sims. Eine der großen Neuerungen in SCS sind so genannte "Venues", also Treffpunkte für das gesellschaftliche Leben, wie z. B. Bars und Restaurants, aber auch Theater, Kinos, Spielhallen oder die im Vorfeld für mancherlei Unmut sorgenden Clownschulen.

 

 

Das Wohlbefinden der Sims lässt sich nicht mehr nur alleine an der Bürgermeisterbewertung ablesen, sondern an sechs verschiedenen Faktoren, die ständig in Balance gehalten werden müssen. Diese sechs Faktoren sind Produktivität, Wohlstand, Kreativität, Spiritualität, Autorität und Bildung. Durch den Bau bestimmter Gebäude kann man diese Werte steigern, und mit steigenden Werten werden auch fortlaufend neue Gebäude aus dem derzeit etwa 350 verschiedene Einrichtungen umfassenden Fundus freigeschaltet. So stellt eine Fabrik beispielsweise Arbeitsplätze zur Verfügung, ein Wohngebäude Arbeitskräfte, und eine Schule erhöht die Bildung.

Bestimmte Gebäude verfügen über Aktionen...

... die über einen Button aktiviert werden können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Selbstverständlich kosten diese Einrichtungen und auch die Infrastruktur Geld, welche aus Steuereinnahmen gedeckt werden müssen. Gebäude, welche monatliche Einnahmen generieren, sind im Menü mit einem entsprechenden Symbol gekennzeichnet. Weiterhin können manche Gebäude so genannte Agenten produzieren, dies sind Sims, welche in der Stadt ein bestimmtes Ereignis auslösen. Besucht ein Sim beispielsweise eine zwielichtige Kneipe, wird er in einigen Fällen dazu animiert, eine Straftat zu begehen, welche ebenfalls zufallsbedingt aus einer Liste von Möglichkeiten ausgewählt wird. So besteht eine 67prozentige Wahrscheinlichkeit, dass der Sim zum Taschendieb wird, aber er kann auch als Einbrecher, Hooligan oder Giftmischer enden.

Eine Bierbrauerei

Eine Kneipe in SCS...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Harvey Milton ist offenbar nicht allzu gut gelaunt...Andere Gebäude beeinflussen die Sims positiv und steigern ihre Motivation, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Faktoren wie Krankheit und Arbeitslosigkeit haben Auswirkungen auf das Leben der Sims, so tragen faule oder untätige Sims nichts zur Produktivität bei und schmälern den Ertrag der Gewerbe- und Industriebetriebe. Hohe Umweltverschmutzung kann Krankheiten erzeugen, und die so außer Gefecht gesetzten Sims fehlen ebenfalls in der Produktion. Ganz dem modernen Zeitgeist entsprechend rufen hohe CO2-Emissionen eine Klimaveränderung hervor, die auch Einflüsse auf die Produktivität der Landwirtschaft haben kann.

 

 

 

Auch die medizinische Versorgung lässt noch zu wünschen übrig.Ähnlich wie im "MySim"-Modus von SimCity 4 lässt sich das Befinden eines jeden Sims abfragen, und zusätzlich ist es möglich, ihn bei seinem Weg durch die Stadt zu beobachten.

Aber auch sonst erfährt man von seinen Sims mehr als bisher, und die von vielen Fans eher gescholtenen Berater fehlen in SCS völlig. Ein Newsticker am unteren Bildrand sowie in der linken oberen Ecke erscheinende Hinweistexte und Symbole halten den Bürgermeister mit zusätzlichen Informationen, wie z. B. neu freigeschalteten Gebäuden, auf dem Laufenden.

 

 

 

 


 

Die Benutzeroberfläche

Das Interface orientiert sich weitgehend an den anderen Sim-Spielen und ist trotz der zahlreichen bunten Symbole nach kurzer Eingewöhnungsphase relativ leicht zu durchschauen. Anstelle der scrollbaren Menüs sind nun in der Größe anpassbare und scrollbare Auswahllisten getreten, welche mit verschiedenen Symbolen über die jeweiligen Eigenschaften der Gebäude informieren. Mit mehreren Buttons können die Listen gefiltert werden, um beispielsweise nur die produktivitätssteigernden Einrichtungen anzuzeigen. Noch nicht verfügbare Gebäude sind ausgegraut und mit der Anzahl der noch fehlenden Eigenschaftswerte versehen. Leider haben alle Gebäude den gleichen blauen Hintergrund, eine farbliche Codierung nach Kategorie wäre hier wünschenswert. Auch die Größe der Gebäude lässt sich nur schwer abschätzen, da alle in den gleichen Dimensionen dargestellt werden.

Noch nicht freigeschaltete Gebäude

Das Wohngebäude-Baumenü

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonnenuntergang in einer asiatisch angehauchten Stadt

Neben der Filterung nach Eigenschaften lassen sich die Gebäude ebenfalls auf verschiedene Gebäudestile beschränken, dies ermöglicht den einfachen Aufbau einer belebten Metropole, einer Industriestadt oder aber auch eines verschlafenen Dorfs. Schon beim Spielstart lässt sich so die Entwicklung der Stadt steuern, aber man kann auch nachträglich in einen anderen Modus umschalten, falls sich die ursprünglichen Vorstellungen doch nicht als so erfolgreich erwiesen haben. Neben den Gebäuden ändert sich durch diese Stile auch das Aussehen der Grundstücke; in einer Wüstenumgebung erscheinen dann Sandtexturen und eine eher spärliche Vegetation, während ein Polizeistaat mit einer düsteren Atmosphäre und Überwachungskameras an jedem Gebäude aufwartet. Wer diese gezielte Entwicklung nicht mag, kann aber auch in den Freestyle-Modus schalten, der ein unbegrenztes Bauen verspricht.

 

Etwas spärlich nimmt sich leider das Verkehrssystem aus, in der vorliegenden Alphaversion sind bisher ausschließlich unbefestigte Feldwege sowie vierspurige Stadtstraßen enthalten, welche nur orthogonal gebaut werden können. In Sachen Nahverkehr gibt es Bushaltestellen und U-Bahn-Stationen, mehr sucht man vergeblich. Es bleibt zu hoffen, dass in der endgültigen Version von SCS noch mehr Möglichkeiten vorgesehen sind. Die vorhandene Auswahl nimmt sich sehr bescheiden aus und erreicht damit ein Niveau, welches höchstens auf dem von SimCity Classic angesiedelt ist. Zwar können über Wasserflächen Brücken gebaut werden, aber das Gelände passt sich nicht der Bebauung an, sondern lässt an Straßen, welche entlang eines Hangs führen, geradezu abenteuerliche Stützmauerkonstrukionen entstehen.

Am Hang entstehen hässliche Fundamente.Das Verkehrsmenü ist leider etwas spärlich besetzt...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Spiel sind keinerlei Geländebearbeitungswerkzeuge enthalten, lediglich ein paar Bäume sowie andere Objekte wie Felsen lassen sich nachträglich setzen. Zum Spielstart erzeugt ein Geländegenerator mit einstellbaren Parametern eine zufallsbedingte Landschaft, und auch Graustufenbilder lassen sich laut Auskunft der Entwickler importieren, aber eingefleischte Hobby-Terraformer sollten von SimCity Societies nicht allzu viel erwarten. Die Landschaft selbst ist durch die frei dreh- und schwenkbare Kamera sowie den stufenlosen Zoom jedoch zumindest aus der Ferne recht schön anzuschauen, und auch der simulierte Tagesablauf mit Dämmerung kann überzeugen.

Sonnenuntergang in SCSDas Landschafts-Menü enthält einige Bäume sowie Geländetexturen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Die Optik

Die 3D-Engine ist dann auch einer der größten Pluspunkte des Spiels; es macht Spaß, die Kamera nach Belieben auszurichten und jeden Winkel der Stadt zu erkunden. Atemberaubende Bilder der Skyline vor einer in der Abendsonne glitzernden Wasserfläche dürften auch die skeptischsten Städtebauer begeistern. Zoomt man jedoch näher, wird das Dilemma dieser Entwicklung deutlich: Es fehlt einfach an Details, und die Gebäude sind im Endeffekt nichts anderes als mit Texturen beklebte Pappschachteln. Zwar sind Autos und Sims deutlich detaillierter als z. B. in SimCity 4, dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in gmax oder 3DStudioMax gerenderte Gebäude um Welten detaillierter sind als die 3D-Objekte in SCS. Es wird vermutlich noch ein paar Jahre dauern, bis Heim-PCs die nötige Leistungsfähigkeit haben, einen komplexen Städtesimulator und eine detaillierte 3D-Umgebung gleichzeitig zu berechnen.

Nur beklebte Pappkartons...Die Wasserspiegelungen können überzeugen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Aufbau einer Stadt gestaltet sich durch die fehlenden Zonen eher mühsam, zwar hat es durchaus seine Reize, alle Gebäude nach Belieben platzieren zu können, jedoch artet der Aufbau einer Großstadt sehr schnell in Arbeit aus. Da auch das aus SimCity 4 bekannte Regionskonzept fehlt, ist man auf eine (allerdings recht große) Karte beschränkt. Wie an vielen anderen Stellen auch schimmert durch, dass SCS vor allem für Gelegenheitsspieler entwickelt wurde, die schon nach kurzer Zeit erste Erfolgserlebnisse haben möchten. Eingefleischte Städtebauer und "Kieselsteinschubser" werden sich eher schwer tun, eine wirklich realistische Stadt aufzubauen. Zwar erzeugen die etwa 350 enthaltenen Gebäude durchaus eine ansprechende Vielfalt, wenn man sich bei der Platzierung ein wenig Mühe macht, jedoch reduziert sich die Auswahl sogleich erheblich, wenn man das Baumenü auf einen bestimmten Stil beschränkt. Hier ist zu hoffen, dass bis zur Finalversion noch weitere Gebäude hinzukommen, oder dass die Community selbst neue Gebäude entwickelt.

Die beschränkte Gebäudeauswahl sorgt für Wiederholungen.Eine Kleinstadt in einer malerischen Umgebung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie schon in SimCity 4 ist SCS sehr offen ausgelegt, Plugins können sehr leicht mit entsprechenden Tools erstellt und ins Spiel importiert werden. Die Entwickler betonten, nach Möglichkeit offene Standards wie XML einzusetzen, um die Eigenschaften von Gebäuden festzulegen. Versierte Modder können so theoretisch auch das komplette Spiel umkrempeln, denn auch Skripte sind in einer C#-ähnlichen Skriptsprache implementiert, so dass auch neue Funktionalitäten jederzeit möglich sind. Tilted Mill möchte die Fangemeinde in Sachen Modding gezielt unterstützen und hofft offenbar auch, eine ebenso treue Community aufzubauen, wie es bei SimCity oder den Sims geschehen ist.

Zwar bieten das Spiel durch die verschiedenen Gebäude- und Landschaftsstile sowie den unlimitierten Freestyle-Modus viele Möglichkeiten, eine Stadt zu beginnen und auszubauen, aber man wird den Eindruck nicht los, dass sich nach einer gewissen Zeit, wenn man einmal alle Gebäude freigeschaltet hat, Langeweile breit macht. Hier könnten Szenarios und Missionen weiterhelfen, um das Spiel auch über einen längeren Zeitraum interessant zu machen. Sollte sich eine aktive Community einfinden, könnten neue Gebäude und Szenarios für einen lang anhaltenden Spielspaß sorgen. Die offene Architektur des Spiels ist ein großes Plus, und es bleibt zu hoffen, dass sich hierfür auch genügend Fans finden, denn auch wenn sich SCS noch in der Entwicklung befindet, ist der Funktionsumfang trotz interessanter Ansätze eher bescheiden und vermag nur teilweise zu begeistern. Die oberflächlich betrachtet recht hübsche Grafik wirkt im Detail eher bieder und lieblos, der aus den bisherigen SimCity-Versionen so geliebte Wuselfaktor, dem man stundenlang zuschauen kann, ohne sich dem eigentlichen Stadtaufbau zu widmen, fehlt fast völlig.

Trotz der düsteren Stimmung scheinen die Straßen noch belebt zu sein.In der Dämmerung bricht Regen herein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Fazit

 

Was also ist nun SimCity Societies? Der von vielen Fans erwartete Nachfolger von SimCity 4 - SimCity 5 - ist es jedenfalls nicht, sondern ein eigener Entwicklungszweig der SimCity-Reihe, wie es ihn mit SimCopter oder Streets of SimCity auch schon vorher gegeben hat. Zwar hatten alle diese Ableger eine gewisse Fangemeinde erreichen können, ein derartig großer Erfolg wie SimCity ist ihnen aber nie beschieden gewesen. Auch Monte Cristo konnte mit seinem SimCity-Klon CityLife nur einen bescheidenen Erfolg verbuchen, der die Spieleschmiede aber offenbar trotzdem dazu animiert hat, einen Nachfolger zu produzieren. Es dürfte auch in Zukunft schwer sein, einen Klassiker wie SimCity 4 vom Thron zu stoßen, und der fortwährende Nachschub an BATs, Lots undMods lässt das Spiel niemals langweilig werden. Über kleine Unzulänglichkeiten wie überfüllte Menüs sieht man da gerne hinweg.

Energieversorgung, Kriminalität und Polizeiabdeckung

Smileys zeigen das Wohlbefinden der Sims an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SCS ist vor allem für den Aufbau von kleineren Orten geeignet.

Es bleibt zu hoffen, dass Tilted Mill aufmerksam auf die Vorschläge aus der Community achtet und zumindest die gröbsten

Kritikpunkte, wie das unzureichende Verkehrssystem, beseitigt. Schon das SC4-AddOn Rush Hour hat gezeigt, dass viele SimCity-Spieler auf ein ausgefeiltes Transportnetz viel Wert legen, und die fortwährende Entwicklung des Network Addon Mod unterstützt diese Annahme ebenfalls. Ein größerer Detailreichtum bei höheren Zoomstufen wäre ebenfalls wünschenswert, um dem teilweise recht trostlosen Eindruck, den man von seinen Städten bekommt, entgegenzuwirken. Dem Einsteiger mag die verringerte Komplexität sicher zugute kommen, erfahrene SimCity-Spieler werden sich nach kurzer Zeit aber langweilen.